Globalisierung, Mobilitäten und Städte
Die Ethnologie der Globalisierung untersucht die neuen lokalen Lebenswelten, die durch globale Prozesse in einer sich vernetzenden Welt entstehen. Im Fokus stehen die sozialen, moralischen, politischen und ökologischen Auswirkungen von Finanzströmen, transnationalem Recht, globalisierten Arbeitswelten und Warenmärkten, neuen Bürokratien und Formen der Entwicklung, sowie als Folge von Infrastrukturplanung und Urbanisierung, Migration und Identitätstransformationen.
Translokale Mobilitäten beschäftigt sich mit dem Studium des grenzüberschreitenden Austausches und der Zirkulation von Waren, Kapital, Menschen, Wissen, Vorstellungen und Technologien in expandierenden und verflochtenen globalen Märkten.
Globalisierung und Städte
Seit der Jahrtausendwende lebt zum ersten Mal über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Das 21. Jahrhundert wird auch als das Asiatische urbane Jahrhundert bezeichnet, da im Jahr 2030 mehr als die Hälfte der Bevölkerung Asiens in Städten leben wird. Die Stadtethnolog*innen am Kölner Institut beschäftigen sich im engen Austausch mit Kolleg*innen aus Asien und Lateinamerika mit den Alltagspraktiken von Stadtbewohner*innen sowohl in südlichen Städten als auch in der Stadt Köln. Schwerpunkt der Forschung im Bereich Stadtethnologie sind das Recht auf Stadt, soziale Bewegungen, Infrastrukturen sowie die soziale Produktion von Raum. Wir legen dabei besonderes Augenmerk auf Machtasymmetrien und deren Manifestation im urbanen Raum. Machtdifferentiale finden sich auch in der Produktion von Wissen um Städte wider. Der Kanon der Stadttheorie ist weiterhin von Forschung basierend auf Städten des Globalen Nordens geprägt. Erfahrungen von Bewohner*innen von Südlichen Städten sind dagegen bisher kaum in der urbanen Theoriebildung berücksichtigt worden. Dieses Ungleichgewicht gilt es zu adressieren, wie es z. B. in Form der Südlichen Stadttheorie geschieht, die in Lehre und Forschung am Institut behandelt wird.
Globalisierung und die Ethnologie der Süd-Süd-Mobiltät
Der Fokus auf Mobilität innerhalb des globalen Südens stellt die gängige wissenschaftliche sowie politische Fokussierung auf Süd-Nord Migration in Frage. In der Forschung und Lehre liegt das regionale Augenmerk des Institutes auf transnationalen Verbindungen zwischen Afrika, den Golf Staaten und China. Thematisch richtet sich die Aufmerksamkeit der Forschenden auf die Besonderheiten und Anreize neuer Migrationswege, die Art und Weise, in der Migrant*innen auf ökonomische und regulative Veränderungen reagieren und diese gestalten, und wie ihre Erfahrungen sich auf Praktiken und Diskurse in den jeweiligen Heimatregionen auswirken.
Globalisierung und die Ethnologie Chinas
Das Institut für Ethnologie der Universität zu Köln ist das erste Ethnologie Institut Deutschlands, an dem China als ethnologische Region in Lehre und Forschung repräsentiert wird. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Chinas rezentem Aufstieg als neues, globales Zentrum. Themen der Chinaethnologie am Institut sind u.a. Gerechtigkeitsvorstellungen, Recht und öffentliche Moral, Gender, Verwandtschaft und Soziabilität, Migration und Citizenship, sowie die Besonderheiten einer china-zentrierten Globalisierung.
Themenfelder im Schwerpunkt "Globalisierung, Mobilitäten und Städte"
Ausgangssubjekte der Untersuchungen sind die Akteur_innen, die innerhalb unterschiedlicher sozialer, ökonomischer, religiöser und politischer Netzwerke entscheiden und handeln. Dabei berücksichtigen wir Zugänge und Perspektiven auf Mobilität und gleichfalls auf Immobilität. Denn obwohl translokale Migration innerhalb vieler Gesellschaften eine Rolle spielt, sind nicht alle Menschen gleichermaßen mobil.
Praktiken und Normen von Soziabilität
Im Zentrum der Untersuchung stehen die Ausgestaltungen und Transformationen von Praktiken und Normen, die Soziabilität innerhalb translokaler sozialer Netzwerke ausmachen. Dabei interessieren uns sowohl Brüche als auch Kontinuitäten, die in Zusammenhang mit translokaler Mobilität zu beobachten sind.
Identität, Zugehörigkeit und Staatsbürgerschaft
Ein zweiter Fokus liegt auf den Konzepten und dynamischen Prozessen von Identität, Zugehörigkeit und Staatsbürgerschaft im Kontext translokaler Migrationsprozesse. Hier beziehen wir politische sowie rechtliche Rahmenbedingungen mit in die Untersuchung ein.
Diaspora, Migration und Entwicklung
Der Themenkomplex Diaspora, Migration und Entwicklung bildet einen dritten Schwerpunkt, wobei die Interessen und Handlungsspielräume von Akteur_innen unterschiedlicher Ebenen (z.B. staatliche Akteur_innen und Migrant_innen-Organisationen) im transnationalen Raum im Mittelpunkt der Analysen stehen.
"Globalisierung, Mobilitäten und Städte" im B.A.- und M.A.-Studium
"Globalisierung, Mobilitäten und Städte" im B.A.- und M.A.-Studium
Im Bachelorstudium wird der Schwerpunkt in den Aufbaumodulen 1 + 3 + 4 (AM 1 + 3 + 4) eingeführt.
Studierende erwerben grundlegendes Wissen über Konzepte, Fragestellungen und Theorien der der Ethnologie der Globalisierung und translokaler Mobilitäten. In den Modulen setzen wir uns mit aktuellen Zeitfragen auseinander, wobei Wert sowohl auf die interdisziplinäre Anschlussfähigkeit wie auch auf die praktische Anwendbarkeit der gelernten Inhalte gelegt wird. Das Aufbaumodul und die Einführungsvorlesung behandeln ein breites Spektrum globaler Prozesse und translokaler und transnationaler Mobilitätsdynamiken, die Staaten, Märkte und transnationale Akteure involvieren.
Im Masterstudium wird der Schwerpunkt im Mastermodul 'Globalisierung und translokale Mobilitäten' (SM 3) berücksichtigt.
Im Schwerpunktmodul 3 (SM3) entwickeln Studierende Wissen bezüglich der Form und Transformation von Praktiken und sozialen Normen als Konsequenz globaler Prozesse und innerhalb translokaler Netzwerken. Hauptthemen sind die Transformationen globalisierter Arbeitswelten, Warenketten und Konsum, Infrastrukturen, und die Formationen von Identität, Zugehörigkeit und Citizenship vor dem Hintergrund translokaler Migration und Diasporabildung.
Die Kursinhalte sind eng verknüpft mit den aktuellen Forschungsvorhaben der Institutsmitgliedern und bilden den aktuellen Forschungstand ab. Studenten haben darüber hinaus die Möglichkeit Sprachkurse u.a. am Institut für Chinastudien, Afrikanistik und Orientalistik zu besuchen.
Outreach - der Themenschwerpunkt Globalisierung und translokale Mobilitäten steht ebenfalls im Zentrum einer engen Kooperation zwischen dem Institut für Ethnologie, dem Philosophischen Seminar und den Chinastudien an der Universität zu Köln.
Diese Kooperation beinhaltet regelmäßig organisierte Vorträge und Seminare, und wird im Rahmen der Deutschen Exzellenzinitiative, dem Global South Studies Center (GSSC) , und dem interdisziplinären Exzellenz Forum CHINA global, an welchem die Universitäten Fudan, Xiamen und Nottingham-Ningbo beteiligt sind, durchgeführt.